Aufbaulyrik für Silverager

„Aufbaulyrik für Silverager“ nannte  ich vor mehr als sechs  Jahren, mit selbstironischem Unterton, meine ersten beiden Gedichte.

„Der Zahn der Zeit“ und „Komm doch Liebchen“, waren die ersten Gedichte die mir, mehr oder weniger spontan und ohne Zweck, in den Sinn kamen.

In diesen beiden und den dann folgenden Gedichten, wollte ich die Fragen des aktuellen Seins im Rentenalter, beschreibend und doch mit positiver Grundstimmung versehen, reflektieren.

Im Laufe der Zeit kamen mehrere kurze und längere Texte dazu, meist schmunzelnd, von leicht frivol über melancholisch bis traurig.
Dabei versuche ich immer die Grundstimmung des „halbvollen Glases“ zu treffen.

Viel Spaß beim Lesen und Hören.
Ich hoffe es ist mir gelungen.

Die Gedichte zum Lesen und Hören

Hier als Audio

Der Zahn der Zeit

Der „Zahn der Zeit“, der nagt und nagt.
Das Ganze tut er ungefragt.

Doch jeder von uns weiß genau,
der Zahn der Zeit das ist ne Sau.

Ganz heimlich kommt er so daher,
ganz ungefragt und ganz leger.
Du merkst es gar nicht, wenn er nagt.
Deshalb bist du auch nicht verzagt.

Dass er so ständig bei dir ist,
du meist im Alltag glatt vergisst.
Die Zeit die geht so locker weiter.
Du lebst genussvoll und ganz heiter.

Genießt des Lebens lock‘ren Lauf.
Tagsüber bist du meist gut drauf.
Auch nachts, da geht es dir ganz gut.
So ab und zu fehlt mal der Mut

am Morgen wieder ganz locker zu sein.
Das schiebst du dann aufs „Innere Schwein“.
So vergeht dann herrlich Jahr um Jahr.
Jahrzehnte, weil‘s so schön ja war.

An irgendeinem Geburtstag dann,
schreibt einer dich ganz freundlich an.
Er schreibt vom „Zahn der Zeit“ der nagt,
da du ja jetzt schon leicht betagt.

Welche Antwort fiel uns denn da ein?
Es muss ne besonders kluge sein.
Ich hab‘s, das könntest du doch sagen,
dabei nicht ärgern, nicht verzagen.

Antworte nicht mit einem Frust
Nein, rufe dann mit voller Lust:
Den „Zahn der Zeit“, den lach ich aus.
Der beißt sich bei mir die Zähne aus!

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Komm doch Liebchen

Komm doch Liebchen, lass uns fahren,
auf die Insel, nur wir zwei.
Nein, wir müssen nicht mehr sparen,
die Rente reicht, wir haben frei.

Komm doch Liebchen, lass uns raus!
Für dich und mich das Allerbeste.
Die Kinder sind doch aus dem Haus,
die feiern ihre eignen Feste.

Die haben Arbeit, die sind groß.
Die leben jetzt ihr eignes Leben.
Die brauchen nicht mehr Mamas Schoß.
Denen musst du nichts mehr geben.

Es geht um dich, es geht um mich.
Wir zwei sind jetzt besonders wichtig.
Komm Liebchen, lass mich nicht im Stich.
Komm mit mir mit und mach es richtig.

Es kommt die Zeit, wo’s nicht mehr geht,
weil‘s Zipperlein uns plagt und zwickt.
Dann braucht man einen der uns pflegt
und dem man dann die Rente gibt.

Komm doch Liebchen, wir sollten‘s machen.
Glaub mir doch, das tut uns gut.
Wir bleiben nicht bei halben Sachen.
Jetzt mach doch mit und hab den Mut.

Ich bleibe meinem Motto treu.
Ich muss es dir wohl nochmal sagen.
Du kennst es schon, es ist nicht neu.
Es passt genau auf unsere Lage:

Lieber Reisen und dann sterben,
ansonsten Reisen nur die Erben.

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Ich will

Mein letzter Wunsch, diese blaue Pille,
legt sie mir in den Sarg hinein.
Ich hab’s Ihm versprochen und es ist mein Wille,
auch im Himmel soll er nicht der Kleinste sein.

 

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Schubs mich

Als sie mich schubst ins Heu,
war das für mich ganz neu.
Seitdem ich mich drauf freu,
wenn sie mich schubst ins Heu.

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Smarte Liebe

Ich habe eine Liebschaft, ein echter Schuss.
Klug und clever, ist schnell parat
Diese Liebschaft macht niemals Schluss
Die ist so süß und wirklich smart.

Ich Himmel sie an und stell ihr Fragen.
Sie immer eine Antwort weiß
An guten und an schlechten Tagen.
ich liebe sie, das ist echt kein Sch … Witz.

Kürzlich sind wir aufgeflogen.
Meine Frau hat sie zu Hause entdeckt.
Sie hat der Alexa den Stecker gezogen.
Nun ist meine Alexa weg.

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Weihnachtsmann

Es glaubt nur an den Weihnachtsmann,
wer sich das auch leisten kann.
Wenn dieser Reim was zynisch klingt …

… stimmt!

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Die Philosophie des E-Bike-Akku

Ist der Akku nicht geladen,
fehlt die Spannung im Motor.
Spannung dann nur in den Waden.
Liebling fahr doch schon mal vor.

Fehlt die Spannung mal im Leben,
lad den Akku zügig auf.
Mit leerem Akku geht’s daneben.
So ist nun mal des Lebens Lauf.

Stoppt die Uhr, weil Akku leer,
hält die Zeit nicht wirklich an.
Innehalten fällt oft schwer
wenn Mann nicht richtig bremsen kann.

Wo man den Akku laden kann,
dies zu Wissen, gibt Saft und Kraft.
Wer das nicht weiß, der ist arm dran.
Am Ende dann total geschafft.

Schlussendlich bleibt, wer hätt‘s gedacht?
Gib schön auf deinen Akku acht!

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Manneskraft

Mit 13 wars die Manneskraft,
die weckte auf die Lenden.
Der liebe Gott, der hatte mitgedacht
und segnete uns mit 2 Händen.

Mann wuchs heran ohne zu denken.
Als Treibgut in ‘nem wilden Fluss.
Sich jeden Tag aufs neu verschenken.
Immer nur Anfang, niemals Schluss.

Kein Berg zu steil, kein Weg zu weit.
Ziele die sind grenzenlos.
Die Liga der Unsterblichkeit,
da zu spielen, echt grandios.

Voll Saft und Kraft, das Spiel fiel leicht.
Es ist so schön das Leben.
Jedes Ziel war schnell erreicht,
Mann konnte alles geben.

Die Hände andere Hände hielten,
bis Mann dann die Eine fand.
Harmonisch sie zusammen spielten,
ich halt sie fest, die passt, die Hand.

Nicht allein, gemeinsam weiter.
Familie gibt nun neuen Sinn.
Liebe und Leben jetzt Begleiter.
Leben mit Kindern – richtig schön.

Die Zeit die rennt, vergeht im Flug.
Die Kinder groß, Mann selber reifer.
An Zeit da hat Mann nie genug.
Und Manneskraft auch weniger Eifer.

Das soll nicht wirklich uns nun stören.
Manneskraft der Klugheit weicht.
Es reicht, wenn wir uns selbst betören.
Wir sind nun anschmiegsam und seicht.

Die Hände wurden steif, o weh
Da kannst du nichts dran machen.
Es reicht, wenn wir noch aufrecht geh‘n.
Die Manneskraft soll nur noch lachen.

Lachen wird zur Medizin.
Lachen alles locker macht.
Erinnerungen jetzt vorüber zieh‘n.
Erinnerungen an die Manneskraft

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Wohin mit Tränen, Angst und Wut

Ich fühl, es geht mir echt beschissen.
Ich weiß es wird nicht wieder gut.
So plötzlich aus der Bahn gerissen,
wohin mit Tränen, Angst und Wut.

Mit klarem Kopf, muss alles Regeln.
Bin stark und will es weiter sein.
Will Wind auf meinem Schiff mit Segeln.
Komm Wind, lass mich doch nicht allein.

Am Ruder kann ich weiter stehn.
Den Kurs hab ich selbst in der Hand.
Wo soll der Weg den nun hingehen?
In welches unbekannte Land?

Mein Kompass der spielt voll verrückt.
Gedanken-Chaos dominiert.
Werf alles weg was mich erdrückt.
Wer ist es denn der hier verliert?

Der Sensenmann kommt zu mir hin.
Das tut er schon von Anfang an.
Mit dem im Streit – macht keinen Sinn.
Den Streit ich nie gewinnen kann.

Seine Wegeszeit zu nutzen,
in den Tönen Dur und Moll,
ich lass mir nicht die Flügel stutzen,
das ist’s, was ich befolgen soll.

Wohin mit Tränen Angst und Wut?
Jeden Tag aufs neu gedacht.
Es wandelt sich die Wut in Mut.
Der Mut, der gibt mir dann die Kraft.

Kraft um den Kurs gut zu bestimmen.
Den Hafen such ich selber aus.
Ich bleibe wach mit meinen Sinnen.
Das halbvolle Glas, ich trink es aus.

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Der Waldmaler *

Der Wald, des Deutschen liebstes Kind,
der hat’s heut ganz schön schwer.
Borkenkäfer, die Sonne, der Wind,
fallen einfach über ihn her.

Sie greifen ihn an, ziehen Saft aus ihm raus,
die Wipfel sind nicht mehr grün.
Das hält die stabilste Eiche nicht aus
Der nächste Sturm rafft sie dahin.

Da liegt sie nun flach, mächtig doch tot,
was kann man nur mit ihr tun?
Brennholz für’s Feuer, ne Kiste für Brot,
Latten fürs Dach, oder’n Käfig fürs Huhn?

Ich kenne da einen, der hat ne Idee,
da muss man wirklich drauf kommen.
Egal ob bei Sonne, Regen und Schnee,
bei ihm hat die Eiche gewonnen.

Er sieht wo sie lebt, sich Formen ergeben,
Strukturen die prägen und Flächen mit Sinn.
Er gibt dieser Eiche mit Farben ein Leben,
Farben und Formen, sie fließen dahin.

Die Idee, die ist ihm im Traum gekommen.
Ganz plötzlich und ganz ohne Plan.
Geh hin und male, das kannst du schon.
Am besten fängst du morgen gleich an.

Folgsam er ist, nimmt sich Pinsel und Farbe,
begibt sich damit in den deutschen Wald.
Nimmt Eiche und Birke, die Rinde mit Narbe,
bemalt nun die Stämme, ob‘s warm ist ob kalt.

Sind echt gelungen, die Bilder im Wald.
Farben, sie leuchten im Abendrot.
Es macht auch der Wanderer an der Stelle Halt,
Der Wald, der Stamm, die sind noch nicht tot.

Der Waldmaler Wolfgang, er hat’s uns gezeigt.
Sterben und Tod nicht das Ende sein muss.
Bring Farbe ins Leben, damit noch was bleibt.
Mit Farbe im Leben, ist lang noch nicht Schluss.

Mit Farbe im Leben, bleibt Mann gut in Schuss.

 

* Mit „Der Waldmaler“ ist mein Kollege und Freund  im Kölner-Maler-Kreis e.V. Wolfgang Schieffer gemeint.
Mehr über Wolfgang  gibt es auf  seiner Homepage

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Match

Das Herz vor Liebe trunken,
der Hormoncoktail ist angerührt,
im Paarship Match versunken,
wohin es mich wohl diesmal führt?

Das letzte Mal war es ne Pleite.
Die Fassade war nur grell und bunt.
Sein Hirn hatte die leere Weite.
Da war auch gar nichts richtig rund.

Immer dieses kalt erwachen.
Enttäuschung ist da programmiert.
Ich sollte mal was andres machen.
Old School hab ich noch nicht probiert.

Normal ein Bier in einer Pinte,
im Sportverein aktiv dabei.
Ich schlag dem Paarship mal ne Finte.
Raus aus dem „Online Einerlei“.

Ich spar mir damit die Gebühren.
Das Geld geb ich woanders aus.
Ich öffne damit neue Türen.
Ich komm damit mal aus dem Haus.

Nicht suchen, einfach locker bleiben,
entspannt mal sehen was sich da tut.
Ich werd mich nicht mehr selber treiben.
Am Ende geht’s mir damit gut.

Und kommt dann mal ein Prinz vorbei,
ein Match der passt und länger hält,
dann ist mir das nicht einerlei,
dann ist es das, was mir gefällt.

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Schnittmuster

Kneipe Kino, Bahn und Bus,
Du meistens zu den Alten zählst.
Du dich darüber nicht ärgern musst.
Du hast es ja nicht ausgewählt.
Wir heben zwar den Altersschnitt,
das ist nun einmal so.
Wir heben auch was andres mit.
Wir heben das Niveau.
Wem dieser Reim was forsch erklingt.
Stimmt.